Du hast ein Android Smartphone mit Internet Zugriff? Dann wusstest du sicherlich schon, dass fast alle deiner Apps im Hintergrund laufen und deine Daten auf irgendwelchen Servern sammeln? – Wir erklären dir, wie du dein Smartphone schützen kannst und zeigen dir, wie Schluss mit Werbung ist!

Warum und wovor sollte ich mein Smartphone schützen?

Das tolle an einem Smartphone ist, dass man überall und jederzeit das Internet nutzen kann. Somit öffnen sich viele Möglichkeiten für den Anwender. Allerdings haben sich auch sehr viele App Entwickler (große und kleine) Gedanken gemacht, wie sie diesen Vorteil ausnutzen können, um mit Apps zusätzliches Geld zu verdienen.

Android funktioniert vom Prinzip genau umgekehrt wie Windows: belegter Arbeitsspeicher ist gut! Das bedeutet, dass Android versucht im Idealfall alle Apps, bzw. so viele Apps wie möglich im RAM (=Arbeitsspeicher) zu behalten. Ziel dieser Arbeitsweise ist eine deutlich bessere Performance, da der RAM wesentlich schneller ist als der interne Speicher oder die Micro SD Karte. Somit werden also Ladezeiten deutlich verkürzt. Bei Windows wäre dieses System allerdings langsamer, da die Anwendungen eines Desktop PCs wesentlich mehr Arbeitsspeicher in Anspruch nehmen als die eines Smartphones. Soweit ist dies ja ein gutes System von Android.

Allerdings bedeutet dies, dass alle Apps, die im RAM liegen auch automatisch die Möglichkeit haben im Hintergrund, ohne dass der Anwender dies bemerkt, Daten versenden können. Dazu kann alles Mögliche gehören von den Kontakten bis hin zu Standort und Bewegungsdaten, sowie aktive Zeit, die am Smartphone verbracht wird usw. Interessant sind diese Daten für Firmen wie Google, die aufgrund der personalisierten Informationen perfekt Werbung auf dich anpassen können. Wer das nicht möchte benötigt eine Firewall.

Was ist eine Firewall?

Eine Firewall ist nichts anderes wie ein Zugriffsschutz, der bestimmten Anwendungen den Zugriff zum Internet erlaubt und anderen nicht. So bieten die meisten Firewalls eine Blacklist, Whitelist oder sogar beides an, um die Zugriffe einzuschränken. Auf einer Blacklist werden alle Anwendungen aufgeführt, die keinen Internetzugriff erhalten dürfen, diese werden also blockiert und somit gezwungen offline zu arbeiten, während die anderen Anwendungen vollen Internetzugriff erhalten. Bei einer Whitelist ist es genau umgekehrt: Es wird für alle Anwendungen der Internetzugriff verwehrt, außer für die ausgewählten.

Wie gut schützt mich die Firewall?

Die Firewall ist kein 100% Schutz davor nicht ausspioniert zu werden, solang man, was bei einem Smartphone sinnvoll ist, bestimmten Apps den Internetzugriff erlaubt. Man kann es sich so vorstellen, dass jede App, die von der Firewall blockiert wird, auch keine Daten senden kann und es somit eine App weniger ist, die einen ungewollt ausspioniert. Dies ist vor allem bei Apps sinnvoll, die definitiv keinen Internet Zugriff benötigen, wie z.B. einem Wecker, Kompass, Media Player, Taschenlampe, einigen Games, etc. Dass Apps wie Skype, WhatsApp und Co. einen Internetzugang benötigen ist selbstverständlich und bei solchen Apps lässt es sich daher leider auch nicht verhindern ausspioniert zu werden.

Außerdem bietet eine Firewall an einem Smartphone weitere Vorteile. Zum einen wird dadurch in allen Apps, die auf der Blackliste stehen, bzw. in der Whitelist nicht zugelassen sind, ebenfalls die Werbung blockiert. Somit kann ich beispielsweise mein Solitär auch ohne nervige AdSense anzeige spielen. Ein anderer Vorteil, der sich aus dem eingeschränkten Internetzugriff ergibt ist, dass mehr Bandbreite für die restlichen Apps übrig bleibt, welche in der Regel die eher wichtigen sind wie z.B. WhatsApp. Dadurch kommt man in einem langsamen 2G Netzwerk besser zurecht.

Voraussetzung für eine Firewall

Leider ist eine Firewall nur vollkommen funktionsfähig, wenn das Smartphone Root-Rechte hat. Das bedeutet, es benötigt Admin Rechte, die in der Regel bei fast jedem Smartphone von Haus aus deaktiviert sind. Allerdings sind im Internet zu sehr vielen Smartphones Root Anleitungen zu finden, mit denen sich das Smartphone innerhalb weniger Minuten rooten lässt. Hierbei sollte man jedoch vorsichtig sein und sich ein solches Vorhaben zwei Mal überlegen, da die Garantie durch das rooten verloren gehen kann.

Android Firewall einrichten

Für Android gibt es die App Android Firewall, welche mein persönlicher Favorit ist. Sie wird regelmäßig mit Updates versorgt, bietet einige Optionen und ist kostenlos. Da das OpenSource Projekt DroidWall nicht mehr für neuere Android Systeme aktualisiert wurde, hat ein anderer Entwickler das Projekt unter neuem Namen fortgesetzt.

Nachdem das gerootete Smartphone die Android Firewall installiert hat, kann sie durch folgende einfache Schritte eingerichtet werden.

  • Root Zugriff gewähren
  • Bei Bedarf auf Modus drücken um zwischen Black- und Whitelist zu switchen
  • Apps auswählen (Modus beachten)
  • Menü aufrufen, Regeln anwenden und Firewall aktivieren

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Im Einstellungsmenü können die Sprache auf deutsch gestellt werden und weitere Optimierungen wie dem Aktivieren des Tethering Zugriffs getroffen werden. Wenn der Anwender möchte, kann er sich auch von der Firewall nach dem Installieren einer App nach der zu verwendenden Regel fragen lassen. Auch Regel-Importe und Exporte sowie viele weitere Funktionen können durchgeführt werden.

Wer System Apps Blockieren möchte kann dies auch tun, allerdings sollte man dabei wissen, was man tut bzw. etwas länger herum probieren, bis man seine optimalen Einstellungen getroffen hat.