Bisher ist GoPro der bekannteste Hersteller im Bereich der Action Kameras. Es gibt viele Hersteller, die ganz ähnliche Produkte auf den Markt gebracht haben. Doch nun ist auch TomTom hinzugekommen und hat mit der Bandit eine ganz eigene Action Cam im eigenen Format entwickelt. Wir haben die Bandit eingepackt und waren mit Gleitschirm in den Bergen…

Dieses Produkt wurde uns kostenfrei vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Unsere Berichte werden stets nach unserem Leitbild verfasst. (Mehr Infos)

Erster Eindruck

Ein kurzer Blick auf die Kamera genügt schon, um zu sehen, dass TomTom bei diesem Modell versucht etwas ganz eigenes zu kreieren. Sehr viele Hersteller, die eine Action Cam auf den Markt bringen, halten sich mit dem Aufbau und Design sehr eng an die sehr bekannte GoPro. Bei TomTom sieht dies aber anders aus und deshalb steckt die Bandit in einem zylinderförmigen Gehäuse, welches wie eine Röhre aussieht.

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Auf der Oberseite befindet sich ein kleines Display, über welches die verschiedenen Aufnahmemodi ausgewählt und gestartet werden können. Es gibt dazu zwei Haupttasten, eine für Start und Stop, sowie vier Steuertasten, um im Menü navigieren zu können.

Der Akku lässt sich durch einen sicheren Drehmechanismus ausbauen und ist Form eines USB Sticks gestaltet. In diesem USB Stick befindet sich ein Slot für eine Micro SD Speicherkarte. Der Stick dient daher nicht nur zum Aufladen des Akkus, sondern auch gleich als Kartenleser – man kann die Bilder und Videos also ohne Kabel via USB auf den PC übertragen. Außerdem zeigt der Akkustick auf Knopfdruck die aktuelle Kapazität des Akkus in vier Stufen an.

Auch bei der Halterung hat TomTom nicht die Lösung von GoPro kopiert, sondern ein ganz eigenes System entwickelt. Durch ein einfaches Festklicken hält die Kamera bombenfest auf der Halterung, welche durch ein Klebepad am Helm fixiert wird. Wurde die Kamera darauf festgeklickt, so kann man diese sogar um 360° um die eigene Querachse drehen, um beispielsweise auch Aufnahmen im Querformat zu machen. Außerdem lässt sich die Kamera auch verkehrt herum, also um 180° gedreht, auf die Halterung setzen, so dass auch nach hinten  gefilmt werden kann.

Die Verarbeitungsqualität der TomTom Bandit ist sehr gut und das Gehäuse ziemlich robust, wie wir es uns für eine Outdoorkamera wünschen. Verfügbar ist die TomTom Bandit nur in weiß mit einem rotem Streifen, auf dem sich das Logo des Herstellers befindet.

Lieferumfang

Die TomTom Bandit Action Kamera ist zu einer UVP von 429€ verfügbar. In diesem Paket sind neben der Bandit Kamera eine gewölbte und eine flache Halterung, sowie ein GoPro Adapter enthalten. Durch den GoPro Adapter kann die Kamera auch an Helmen fixiert werden, auf denen bereits die GoPro Halterung angebracht wurde – eine gute Idee!

Außerdem ist im Google Play Store bzw. im App Store von Apple eine kostenlose Bandit App verfügbar, die die Kamera um einige Funktionen erweitert. Dazu später mehr.

Optional kann man – je nach Actionsport – die Bandit auch noch um weiteres originales TomTom Zubehör ergänzen. Derzeit ist bei TomTom das folgende Zubehör verfügbar:

  • Zusatzhalterungen
  • Stativadapter
  • zusätzlicher GoPro Adapter
  • Armband zur Befestigung am Handgelenk
  • Teleskopstab mit Halterung
  • Halterung zur Befestigung am Lenker
  • Halterung zur Befestigung auf dem Board
  • 360° Halterung
  • Schwimmende Schutzhülle
  • Unterwasserlinsen-Abdeckung
  • Batteriestick in spritzwassergeschütztem Gehäuse
  • Mikrofasertaschen
  • Fernbedienung
  • Mikrofonkabel
  • Ladekabel
  • Herzfrequenzmesser

Technik, GPS und co

Bei der TomTom Bandit werden sehr viele Möglichkeiten zur Aufnahme geboten. Durch ihr technisches Datenblatt, ist die Kamera sehr modern ausgestattet:

  • Video: 1080p30/1080p60/720p60/720p120
  • Film: 4k15/2,7k30
  • Zeitraffer: 1080p30/4k30 (Aufnahme mit 1 Sek., 1/5 Sek., 1/10 Sek., 1/15 Sek., 1/30 Sek., 1/60 Sek.)
  • Zeitlupe: 1080p (2 x)/720P (4 x)/WVGA (6 x)
  • Einzeilbild: 16 MP
  • Serienbild 16 MP / 8MP (Aufnahme mit 10 Sek., 10/2 Sek.)
  • Sichtfeld (1080p30/1080p60/720p60/720p120): Weitwinkel/Normal
  • Sichtfeld (4k15/4k30/2,7k30/Foto): Weitwinkel
  • WLAN
  • Bluetooth Smart
  • USB 3.0
  • Micro SD Kartenslot
  • Gewicht: 190g
  • Abmessungen: 94 x 38 x 52 mm/3,7 x 1,5 x 2,0 Zoll
  • Wasserdicht: IPX7 (mit normaler Linsenabdeckung)
  • Akku: 1900mAh

Eine Besonderheit der TomTom Bandit ist, dass diese durch GPS ausgestattet ist. Dadurch erkennt die Kamera Unterschiede der Geschwindigkeit, Beschleunigung und Steigung im Vergleich zum Normalwert. Jedes Mal, wenn so ein Actionmoment erkannt wurde, setzt die Kamera im Video eine Markierung 4 Sekunden in der Vergangenheit. Später kann dann mit der Bandit App vollautomatisch ein Video zusammengeschnitten werden, welches nur die Actionmomente enthält.

Praxistauglichkeit

Getestet haben wir die Kamera im Urlaub. Dazu habe ich meinen Gleitschirm eingepackt und bin in die Allgäuer Alpen gefahren, um dort, mit meinem Actionsport, die TomTom Bandit zu testen. Bevor die ersten Aufnahmen gestartet werden konnten, stellte sich aber schon das erste Problem. Plan war es die Kamera auf dem Helm zu befestigen. Da mein Helm (Plusmax) aber eine überwiegend gewölbte Form hat, war es durch die mitgelieferte Halterung schwierig eine Stelle zu finden, an der diese luftfrei aufgeklebt werden konnte. Auch die gewölbte Halterung ist nicht ausreichend gebogen für diesen Sonderfall – also haben wir es riskiert und die Halterung einfach so gut wie es ging aufgeklebt. Zwischen Helm und Halterung befindet sich nun einiges an Luft, wie es eigentlich nicht sein sollte, aber trotzdem hat die Halterung alle Flüge überstanden – eine gute und vor allem bombenfeste Sache!

Die TomTom-eigene Form der Action Kamera ist für das Paragliding definitiv gelungen. Dadurch ist die Bandit flacher als die GoPro und einige andere Actioncams wodurch auch die Gefahr minimiert wird, dass sich beim Starten die Leinen in der Kamera verfangen. Dies passiert zwar bei höheren Kameras auch nicht besonders oft, aber immer wieder mal, so dass meist ein Startabbruch erforderlich ist – hier passiert das hoffentlich seltener. In unseren Testflügen hatten wir diesen Fall nicht.

Da unsere Testflüge überwiegend bei sehr heißem Wetter durchgeführt wurden, wurde uns auch der Sinn der weißen Kamerafarbe bewusst. Weiß reflektiert das Sonnenlicht und wird nicht heiß, wenn sie längere Zeit in der Sonne aushalten muss.

Ein Nachteil der TomTom Bandit Action Cam ist, dass sich das Mikrofon nicht deaktivieren lässt. Beim Paragliding und vielen anderen Sportarten sind Tonaufnahmen durch ein Mikrofon, das im (Fahrt-)Wind hängt nicht besonders sinnvoll. Sie nehmen nur unnötigen Speicherplatz ein. Könnte man das Mikrofon deaktivieren, so wäre auf der Speicherkarte wenigstens etwas mehr Speicherkapazität frei für die ohnehin schon sehr großen Videos.

Aber nicht nur das Mikrofon ist immer aktiv, sondern auch die GPS Funktion. Wenn man später keinen automatischen Film erhalten möchte, sondern lieber selbst schneiden will, dann ist es unnötig, dass GPS Akkukapazitäten verbraucht und genauso unnötig sind dann die Markierungen im Video, die ebenfalls Akkukapazitäten kosten und Speicher verbrauchen.

Allgemein lässt sich aber sagen, dass bisher noch kein Actioncam Hersteller einen wirklich extrem leistungsfähigen Akku auf den Markt gebracht hat. m Vergleich zu anderen Actioncams, auch zur GoPro, hält sich der Akku durchschnittlich lange und Aufnahmen von über 2h am Stück sind möglich.

Bildqualität

Die Bildqualität der TomTom Bandit Action Cam ist sehr überzeugend. Die kleine Kamera mit Weitwinkelobjektiv schafft sogar Aufnahmen in 4K Qualität, also deutlich besser, als die meisten gängigen Fernseher und PC-Bildschirme wiedergeben können. Doch nicht nur die Auflösung stimmt, sondern auch die Farben und die Helligkeit der Kamera. Wir erhalten ein sehr klares Bild. Wir haben ein Video gedreht, das wir hier an dieser Stelle zeigen möchten, damit man sich selbst einen Eindruck der Bildqualität verschaffen kann.

Bandit App

TomTom hat für Android und iOS eine App entwickelt, mit der kinderleicht und sehr schnell automatisch ein kurzes Video mit den Highlights zusammengestellt werden kann. Die TomTom Bandit setzt beim Aufzeichnen immer eine Markierung im Video, wenn durch GPS ein Actionmoment (z.B. starkes Beschleunigen oder gutes Steigen) festgestellt wird. Diese Markierung wird dann 4 Sekunden in der Vergangenheit gesetzt, damit auch wirklich der  gesamte Actionmoment später zu sehen ist.

Verbindet man nach der Videoaufnahme die Actioncam über WLAN mit dem Smartphone, dann sucht sich die Bandit App alle Markierungen und schneidet an diesen Stellen Videoschnipsel mit einer Länge von jeweils 6 Sekunden. Diese 6 Sekundenschnipsel werden dann beim Schütteln des Smartphones zu einem kurzen Clip zusammengefügt. Auf Wunsch kann man auch noch ein Lied vom Smartphone als Hintergrundmelodie auswählen, welches dann die Mikrofonaufnahme im Video ersetzt.

Wer möchte kann dieses Video dann wie es ist in den eigenen Socialmedia Profilen teilen oder es als Vorlage benutzen, um selbst noch weiter zu schneiden. Diese Videoclips haben dann eine Größe von ca. 200-300 MB.

Bei uns hat diese Funktion prima funktioniert. Beachten muss man nur, dass beim Paragliding nicht so wahnsinnige Actionmomente entstehen wie beispielsweise beim Motorradfahren, da dort mit ganz anderen Geschwindigkeiten gefahren wird. Trotzdem finden wir unser Video deutlich besser als die langweiligen Paraglidingvideos, bei denen der gesamte Flug gezeigt wird. Wir haben hier mal unseren Clip auf Youtube hochgeladen.

Dieses Video zeigt vor allem viel Abwechslung und nicht ständig die gleiche Perspektive. Außerdem spart die Möglichkeit zum automatischen Schneiden einiges an Zeit und Nerven, weshalb wir diese Funktion sehr praktisch finden.

Fazit

Alles in allem konnte uns die TomTom Bandit sehr überzeugen. Besonders gut gefällt uns, dass sich TomTom eigene kreative Gedanken gemacht hat und die Bandit daher keine GoPro Kopie ist. Alle wichtigen Actionpunkte werden erfüllt: Ein gutes und stabiles Halterungssystem, ein festes und wasserdichtes Gehäuse, gute Bildqualität und praktische Extras. Ein wahres Highlight ist die TomTom Bandit App bzw. die GPS Funktion, wodurch sich diese Actioncamera von Modellen anderer Hersteller deutlich abhebt. Dass ein Videoclip mit den besten Actionmomenten automatisch zusammen geschnitten wird ist beeindruckend.

Nicht so gut finden wir, dass sich weder das Mikrofon noch GPS deaktivieren lassen. Dadurch wird bei Nutzern, die diese Funktion nicht benötigen, unnötige Speicherplatz und Akkuleistung verschwendet – wieviel das aber tatsächlich ausmacht wissen wir nicht.

Erhältlich ist die TomTom Bandit zu einer UVP von 429€ im TomTom Shop. Diesen Preis finden wir relativ hoch, aber da es sich hierbei nicht um eine billige GoPro Kopie handelt, sondern um ein eigenes Modell mit guter Videoqualität, ist dieser Preis in Ordnung.

Schließlich erhalten wir ein Ergebnis von 4 Sternen – Gut gemacht TomTom!

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